Fahrzeugzulassung per Online-Bestellung

Fahrzeugzulassung per Online-Bestellung

Interview mit Sascha Gies, Co-Founder bei motosino

Allein im Jahr 2011 wurden in Deutschland rund 19 Millionen Fahrzeuge an-, ab- oder umgemeldet. Entsprechend groß ist der Andrang bei den Zulassungsstellen. Das häufig stundenlange Warten, das mit einem Besuch dort verbunden raubt Nerven und ist nicht immer problemlos machbar. Sascha Gies, Marc Wachsmuth und Felix Wessendorf haben erkannt, dass es auch anders gehen muss und mit motosino einen Online-Service für die An-, Ab- und Ummeldung von Fahrzeugen ins Leben gerufen. Wie es dazu kam, wie ihr Konzept funktioniert und wie es weitergehen soll erzählt Sascha Gies im Gespräch mit Gründerpresse.

Gründer: Sascha Gies, Marc Wachsmuth, Felix Wessendorf (v.l.)

Gründerpresse: Wer sind die Gründer von motosino?

Sascha Gies: Wir haben Motosino zu dritt gegründet. Marc Wachsmuth ist federführend für die Geschäfts- und Produktentwicklung zuständig. Felix Wessendorf hat seit Gründung als Informatiker und Mathematiker den IT-Bereich übernommen. Für den administrativen Teil, die Finanzen und für das Marketing bin ich verantwortlich. Zusammen mit Marc übernehme ich auch den Vertrieb und die Öffentlichkeitsarbeit.

Gründerpresse:Wie sieht euer Geschäftsmodell aus?

Sascha Gies: Motosino bietet privaten und geschäftlichen Kunden die Möglichkeit, Autos und andere Fahrzeuge bundesweit einfach, sicher, online per Bestellung an-, um- oder abzumelden. Dabei steuern wir die Abholung der zulassungsrelevanten Dokumente beim Kunden, den Druck der gewünschten Kennzeichen, die Zulassung des Fahrzeugs und die Rücklieferung aller Unterlagen in einer sicheren Versandverpackung. Die Zulassungen können mit Extras, wie Saison- und Wunschkennzeichen sowie Feinstaubplakette, erweitert werden. Als weiteres Produkt bieten wir die Zulassung von Kurzzeitkennzeichen an, welche bereits am Folgetag der Bestellung zum Kunden geliefert werden.

Gründerpresse: Wann habt ihr gegründet und wie seid ihr auf die Idee gekommen?

Sascha Gies: Wir waren, jeder für sich, schon lange auf der Suche nach Geschäftsideen. Wenn man mit offenen Augen durchs Leben geht, fallen einem immer wieder fehlende Produkte und Dienstleistungen auf. Es kam letztendlich zu der Idee, als Marc mehrere Stunden auf der Zulassungsstelle verbrachte, um ein Auto anzumelden. Wir wollten daraufhin die Möglichkeit schaffen solche Wartezeiten für jeden zu vermeiden, in dem wir die Zulassung eines Fahrzeugs online anbieten.

Nach einer intensiven Konzeptionsphase haben wir dann Motosino im Februar 2012 gegründet.

Gründerpresse: Wie hoch ist euer Marktpotenzial und auf welche Marketing-Kanäle setzt ihr?

 Sascha Gies: Letztes Jahr sind in Deutschland über 19 Millionen Fahrzeuge an-, um- oder abgemeldet worden. Die jährlich wachsende Anzahl an Zulassungsvorgängen bringt gleichzeitig eine Erhöhung der Wartezeiten auf den Zulassungsstellen mit sich. Dieser Umstand, in Verbindung mit der mittlerweile hohen Akzeptanz Waren und Dienstleistungen über das Internet zu beziehen, zeigt auf, dass hier ein klares und wachsendes Marktpotenzial besteht. Die wenigsten Autohäuser und Autohändler lassen die Fahrzeuge ihrer Kunden auf der Zulassungsstelle selbst zu. Daher sind wir mit unserer Dienstleistung aufgrund der unkomplizierten Abwicklung auch für den B2B-Markt interessant.

Unser Marketing konzentriert sich nicht nur auf SEO, SEM und Affiliate-Systeme, sondern wir werden ebenfalls auf das Offlinemarketing, speziell den Printbereich, setzen. Nur so ist es möglich, die Aufmerksamkeit der potentiellen Kunden zu erhalten und die Option, online eine Zulassung zu bestellen, bekannt zu machen.

Gründerpresse: Was ist das Besondere an eurem Unternehmen?

Sascha Gies: Wir sind die ersten auf dem Markt, die es ermöglichen, eine Zulassung online verbindlich zu bestellen. Unseren Kunden wird im Bestellprozess klar aufgezeigt, wann sie die neuen Unterlagen samt der KFZ-Kennzeichen zurückerhalten, ohne in der Nähe einer Zulassungsbehörde gewesen zu sein. Wir haben dafür ein eigenes Logistikkonzept entwickelt, das die Zustellungen und Abholungen automatisch steuert. Wir nutzen dazu neuartige logistische Prozesse und Methoden. Vor allem bei der Abholung an privaten und gewerblichen Adressen am selben oder darauffolgenden Tag, innerhalb eines Zeitfensters, ergeben sich Mehrwerte. So wird nicht nur die Abholung für den Kunden planbar, sondern auch sein Zulassungsvorgang kann schnell durchgeführt werden. Um die Anforderungen an Stabilität und Sicherheit auf den Versandwegen zu erfüllen, setzen wir eine eigens entwickelte Versandverpackung ein. Motosino nimmt seinen Kunden so den Aufwand des individuellen und persönlichen Zulassungsvorgangs ab. Auch das E-Government Projekt des Bundes, in dem die Behörden die Zulassung eines Fahrzeugs online anbieten sollen, wird nicht den persönlichen Besuch abschaffen. Es wird dabei bleiben, dass sich die Bürgerinnen und Bürger selbst um das Drucken der Kennzeichen bemühen müssen. Mit diesen Kennzeichen muss man sich, wie heute auch, auf der Zulassungsstelle einfinden. Wenn das Projekt umgesetzt werden sollte, wird sich auch dann der Aufwand und die Wartezeit, wenn überhaupt, nur unwesentlich verringern. Diesen gesamten persönlichen Aufwand können unsere Kunden durch die Bestellung unserer Produkte an uns übergeben.

Gründerpresse: Wie seid ihr finanziert?

Sascha Gies: Zurzeit sind wir vollständig eigenfinanziert. Wir planen eine erste Kapitalrunde noch dieses Jahr abzuschließen, welche uns eine schnelle Ausbreitung auf alle deutschen Kreise und die damit verbundene Intensivierung unserer Marketingkampagnen ermöglicht.

Gründerpresse: Viel Arbeit, wenig Personal. Wie geht ihr damit um?

Sascha Gies: Wir haben von Anfang an unsere Aufgaben effizient aufgeteilt. Dennoch bleiben lange Arbeitstage natürlich nicht aus. Da wir aber mit sehr viel Enthusiasmus unser Unternehmen voran bringen, macht uns das nichts aus.

Gründerpresse: Gab es Momente, in denen ihr aufgeben wolltet?

Sascha Gies: Es gab sicherlich Momente in denen wir uns mehr Schlaf gewünscht haben. An Aufgeben haben wir aber nie gedacht.

Gründerpresse: Welche Herausforderungen stellen sich solch einem jungen Startup in eurer Branche?

Sascha Gies: Wenn man ein Konzept vorstellt, welches so noch nicht auf dem Markt existiert, muss man häufig viel Überzeugungsarbeit leisten. Viele unserer Prozesse sind in dieser Zusammensetzung noch nicht mit einander kombiniert worden. Das bedeutet, dass man sich nicht nur an Vorhandenem bedienen kann, sondern weiterdenken muss und vor Eigenentwicklungen nicht zurückschrecken darf.

Gründerpresse: Was würdet ihr anders machen, wenn ihr heute nochmal gründen würdet?

Sascha Gies: Wir würden im Nachhinein die Konzeptionsphase etwas verkürzen und dafür mit der Umsetzung früher beginnen.

Gründerpresse: Wo seht ihr euch in der Zukunft?

Sascha Gies: Unser System steht und ist voll funktionsfähig. Wir sind deutschlandweit für die Abmeldung von Fahrzeugen und die Zulassung von Kurzzeitkennzeichen verfügbar. In den kommenden Monaten werden wir intensiv unser Netz erweitern, damit so viele Kunden wie möglich auch die An- und Ummeldung ihrer Fahrzeuge online bestellen können.