Startups über Berlin hinaus: Attraktive Städte für Online-Startups

Berlin ist die Startup-Hauptstadt Deutschlands, das Silicon Valley Europas. Etliche Internet-Unternehmer entscheiden sich bekanntermaßen für Berlin als Standort, sei es für die Neugründung, die Zweigstelle oder sie ziehen mit ihrem bereits bestehenden Unternehmen in die Bundeshauptstadt. Viele andere Unternehmen entscheiden sich aber auch bewusst nicht für den Standort Berlin. Gründer und Vertreter eingesässener wie frisch gegründeter Online-Unternehmen haben uns erzählt, warum sie nicht in Berlin gegründet haben oder später dort hin gezogen sind.

Marc Dassler (Mitgründer & CEO), BiteBox:

“Unsere Entscheidung war keine gegen Berlin, sondern für Hamburg. Der Grund war, dass unsere Lieferanten als Snack-Startup in Hamburg ansässig sind und wir auch in Hamburg bessere Möglichkeiten hatten unsere Produktionsstätte aufzubauen.”

Klaas Kersting (CEO), flaregames:

“In Karlsruhe gibt’s durch Elite-Uni und große IT-Firmen ein gutes Arbeitskräftepotenzial. Hohe Nerd-Dichte, gut für Tech-Startups. Die Stadt ist nicht groß, liegt aber bloß eine Zugstunde von Frankfurt und zwei von Paris entfernt. Und: immer schönes Wetter.”

Ines Maione (PR & Marketing), humangrid GmbH:

“Das Unternehmen ist bereits in 2005 von Herrn Dr. Alexander Linden gegründet worden, der damals in Dortmund ansässig war und entsprechend auch dort sein erstes kleines Mitarbeiter-Team um sich versammelt hat, um die technischen Grundlagen für die Idee zu entwickeln. Später ist an einen Umzug nach Berlin nicht mehr zu denken gewesen, da hier sonst die mit den Unternehmen bereits sehr verbundenen und wertvollen Mitarbeiter verloren gegangen wären.

Heute sind wir kein Start-up Unternehmen mehr und der Standort spielt für uns, auf Grund unseres rein auf das Internet basierenden und international ausgerichteten Geschäftsmodells, nur eine untergeordnete Rolle.”

Peter Schmiedgen (Corporate Communications), Seedmatch:

“Wir haben uns nicht gegen Berlin entschieden – sondern einfach für Dresden. Klar, in Berlin gibt es gerade viel Bewegung im Bereich Startups, aber als Online-Unternehmen sind wir da nicht so standortgebunden und Berlin ist ja gleich um die Ecke.

Dresden hat zudem einige Vorteile: Viele Hightech- und IT-Unternehmen haben hier den Hauptsitz oder zumindest eine Niederlassung. Die TU Dresden ist Exzellenz-Uni und gehört zu den führenden deutschen Hochschulen im Bereich Hightech und Innovationen. Durch die ansässige Wirtschaft und Wissenschaft und deren enge Verknüpfung sind in Dresden viele spannende Innovationen hervorgebracht worden und oft finden inspirierende Veranstaltungen statt. Außerdem liegt Dresden relativ zentral. Dadurch, dass wir deutschlandweit auf Veranstaltungen unterwegs sind und unsere Startups überall aus Deutschland stammen, ist das von Vorteil – auch wenn die Verkehrsanbindungen nicht immer optimal sind.

Letztlich ist Dresden auch eine wunderschöne Stadt mit hoher Lebensqualität, tollem Kultur- und Freizeitangebot, vielen nahegelegen Erholungsmöglichkeiten und relativ niedrigen Mietpreisen. Die Gründer, die sich bei uns vor Ort vorstellen, sind immer von der Stadt begeistert und bleiben nicht selten noch eine Nacht, um mehr von der Stadt zu sehen.”

Gerald Schönbucher (Gründer & CEO), Hitmeister:

“Wir haben uns nicht gegen Berlin, sondern für Köln entschieden. Warum? Köln ist zentral gelegen, hat eine hohe Lebensqualität bei moderaten Lebenshaltungskosten und ein großes Arbeitskräftepotenzial in allen für uns wichtigen Bereichen. Es wird hier auch nicht so intensiv abgeworben wie in der Hauptstadt. Last but not least gefällt uns die rheinländische Lässigkeit. Viva Colonia!”

Michael Minis (Gründer & CEO), tamyca:

“Wir haben uns nicht gegen Berlin, sondern für Aachen entschieden. Wir vier Gründer haben alle in Aachen studiert und uns hier in Aachen kennengelernt – die Anbindung zu den Aachener Hochschulen ist sehr gut und damit gab es keinen Grund zu fliehen. Aachen ist nicht der Nabel der Welt, aber wenn wir mal raus wollen, mieten wir uns einen Wagen.”

Martin Schlichte (Gründer & CEO), Lecturio:

“Leipzig ist das neue Berlin! Die Stadt ist wunderschön und es gibt viele Internetstartups und spannende Investoren. Nicht zu groß und überlaufen aber auch kein Kuhdorf. Ich kann jedem Gründer nur empfehlen sich Leipzig als Gründungsstandort ganz genau anzuschauen.”

Lena Sönnichsen (Head of PR), airbnb:

“Einer der Hauptgründe für Hamburg: Hier sind nicht nur gehypte StartUps zuhause, sondern die wirklich großen Player der Internet-Szene wie Google und Facebook. Das richtige Umfeld für Airbnb. Außerdem: In Hamburg lassen sich extrem gut ausgebildete Kollegen finden und externe Mitarbeiter sind für einen Umzug nach HH auch schnell zu bewegen – während Berlin immer polarisiert (manche lieben es, aber manche hassen es eben auch). Und hanseatische Kaufmannstugenden habe auch noch keinem Unternehmen geschadet.”

Michael Sauer (Gründer & CEO), Flip4NEW:

“Beim Aufbau von FLIP4NEW haben wir über die Standortfrage nur am Rande nachgedacht. In der Start-Phase haben wir viel Unterstützung von Personen aus Frankfurt und Umgebung bekommen und konnten uns so schnell ein schlagkräftiges Team aufbauen, das viel Dynamik und Kompetenz vereint. Mit diesem Team arbeiten wir sehr erfolgreich zusammen und möchten es nicht missen. Daher gibt es für uns keinen Grund, unseren Hauptstandort nach Berlin zu verlagern.”

Gereon Frahlig (Gründer & CEO), linguee:

“Wir haben uns für Köln entschieden, weil wir hier den Zugriff auf die besten Mitarbeiter haben. Wenn man die besten Leute finden will, ist es häufig sehr wichtig, persönliche Kontakte zu nutzen. Sowohl ich als auch mein Mitgründer Leonard Fink hatten hier sehr gute Kontakte zu Top-Leuten, vor allem unglaublich motivierte und produktive Programmierer, die inzwischen auch schon teilweise bei uns arbeiten.

Wenn ich nicht in Köln gegründet hätte, dann auch nicht in Berlin, sondern in den USA, wo ich vorher bei Google in der Forschungsabteilung tätig war.”

Marc Wachsmuth (Gründer & CEO), motosino:

“Wir haben uns für den Standort Bonn entschieden, weil wir Gründer uns in der Region Köln/Bonn kennengerlernt haben und hier, zumindest noch ich, wohnen und leben. Berlin ist ohne Zweifel die Gründerstadt der Internetszene. Nicht aber, weil regional durch die breite Masse eine größere Abnahme für geschaffene Produkte erwartet wird. Dafür ist der Kaufpotentialindex zu niedrig. Auch nicht, weil das Internet eben Dezentralität und gleich auch unbegrenzte Reichweiten bietet. Deshalb den Standort Berlin zu wählen scheint also unsinnig. Berlin ist von Internet-Nerds überlaufen. Um schnell Kunden für ein Projekt zu gewinnen, also den wichtigen Local Proof-of-Concept zu generieren, ist Berlin optimal. Es ist die Gründerkultur, das Netzwerk, die Dichte an Investoren und das Geld, was Berlin meiner Meinung nach als die Gründerstadt ausmacht.”

Hanna Schiller (PR and Marketing Coordinator), qype:

“Wir haben uns nicht gegen Berlin entschieden, sondern FÜR Hamburg. Es war eine natürliche Entscheidung, da unser Gründer, Stephan Uhrenbacher in Hamburg lebt und Qype 2005 gegründet hat. Die Abwanderungen vieler Medienunternehmen und Gründungen neuer IT-Startups, sprich der Internet-Start-Up-Boom begann ja erst ein paar Jahre später und machten Berlin zur europäischen Internethochburg. Wir fühlen uns sehr wohl hier im hohen Norden in unserem “Silicon-Rödingsmarkt” (mit u.A. Facebook im selben Haus)”.

Sandra Schönborn (Gründerin & CEO), SugarShape:

“Der Firmenstandort Stelle hat für SugarShape in der Gründungsphase viele Vorteile. Er bietet als Teil der Metropolregion Hamburg Zugriff auf Infrastruktur, Arbeitsmarkt und weitere Ressourcen der Hansestadt sowie eine hervorragende Verkehrsanbindung, aber durch die Zugehörigkeit zur »Phasing-Out-Region« Lüneburg zugleich auch Sonderzuschläge auf staatliche Förderungen und einen niedrigen Mietspiegel. Wichtig ist uns auch die Nähe zur Leuphana Universität in Lüneburg, von der wir rege Unterstützung erhalten. Zudem haben wir bereits über Jahre hinweg ein großes Netzwerk an Beratern, Unterstützern und Testpersonen in Hamburg und Lüneburg aufgebaut, auf das wir aktiv zurückgreifen.”

Gerald Heydenreich (Gründer & CEO),PippaJean GmbH:

“Pippa&Jean ist nach Portum und BuyVIP bereits meine dritte Unternehmensgründung. Unser Unternehmenssitz Frankfurt/Main stellt meinen Lebensmittelpunkt dar, hier sitzen große Teile meines Business Networks, mit dem ich seit Jahren erfolgreich zusammen arbeite, und nicht zuletzt lebe ich hier mit meiner Familie. Hier mag es vielleicht keinen Hype geben, aber die Voraussetzungen für Gründer in Frankfurt sind hervorragend. Das regionale Umfeld – die Metropolregion Rhein-Main ist mit ca. 5.5 Mio. Einwohnern die drittgrößte in Deutschland – sowie die gewachsene, solide Wissens- und Kommunikationsinfrastruktur bieten optimale Bedingungen. Ich habe mich bei der Gründung von Pippa&Jean nicht gegen Berlin entschieden. Aber dafür ganz klar und bewusst für meinen Heimatstandort Frankfurt.”